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Rußlands Systemkrise
Negative Mobilisierung und kollektiver Zynismus

Regine Richter, Kai Schäfer | 15
Geld für Öl
Deutsche Banken und Rußlands Ölförderung

Debatte: Wie weiter mit Belarus?

Belarus: Do No Harm
Forderungen an externe Demokratieförderung

Aufbruch durch Musik
Kulturelle Gegenelite in Belarus

Es hitlert sehr
Das Deutschlandbild der polnischen Medien

Emanzipation oder Folklore?
Die europäischen Roma-Organisationen

Gebrochene Identitäten
Das Gebiet Kaliningrad nach 1945

Die russische Banja im Kommunismus
Aleksandr Nikol’skijs Leningrader Bäder

Rußlands „neue Realisten“
Sergej Šargunov, Roman Senčin und Genossen
  • 192 Seiten
  • Preis: 10,00 €

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Lev Gudkov
Rußlands Systemkrise
Negative Mobilisierung und kollektiver Zynismus

Rußland scheint seit dem Machtantritt Putins stark wie schon lange nicht. Doch der Schein trügt. Rußland degeneriert zu einem korrupten Polizeistaat, die Gesellschaft verelendet, und das Land gerät immer mehr in die Isolation. Die Legitimitätskrise des Herrschaftssystems offenbart sich in einer gezielten negativen Mobilisierung, die Haß gegen „die Oligarchen“, gegen die USA und die NATO, gegen Georgien und die Ukraine schürt. Zukunftsängste, Zynismus, Feindbilder und eine diffuse Aggression breiten sich aus. Das Bedürfnis nach einem schützenden Kollektiv wächst. Wer einen Feind identifiziert und fordert, daß dieser vernichtet werden müsse, wird zum Sinnstifter. Doch die zur Schau gestellte politische Entschlossenheit verdeckt nur die omnipräsente staatliche Inkompetenz.


Regine Richter, Kai Schäfer
Geld für Öl
Deutsche Banken in der rußländischen Ölförderung

Im Rußland müssen in den nächsten zehn Jahren jährlich knapp zwanzig Milliarden Dollar in die Förderung, die Verarbeitung und den Transport von Erdöl investiert werden. Ein wichtiger Teil des benötigten Kapitals muß auf dem internationalen Kapitalmarkt bezogen werden. Schon heute sind deutsche Banken bei der Vergabe internationaler Konsortialkredite führend beteiligt. Umwelt- und Sozialstandards spielen dabei bislang kaum eine Rolle. Dabei gehört die Ölindustrie zu den größten Umweltverschmutzern in Rußland.


Debatte: Wie weiter mit Belarus?


Björn Kunter
Belarus: Do No Harm
Forderungen an externe Demokratieförderung

Ausländische Förderer haben in Belarus die Entstehung einer Pseudoopposition gefördert. Diese orientiert sich nicht an den Bedürfnissen der Bevölkerung, sondern an den Ideen der Geldgeber. Fehlende Wirkungsanalysen, hierarchische Entscheidungsmechanismen und die Orientierung an Pseudoerfolgen haben die Opposition der Bevölkerung entfremdet. Dies ist eine Ursache für das Scheitern des demokratischen Aufbruchs. Demokratieförderung von außen bedarf eines bescheideneren, sorgfältigen und selbstreflexiven Stils, um nachhaltige Wirkungen zu erzielen. Außerdem sollten Lehren aus der gewaltfreien Aktion stärker berücksichtigt werden.


Ingo Petz
Aufbruch durch Musik
Kulturelle Gegenelite in Belarus

Für die Demokratisierung in Belarus gibt es einen Partner, der bislang zu wenig zur Kenntnis genommen wurde. Seit Mitte der 1990er Jahre hat sich eine kulturelle Opposition aus jungen Menschen gebildet. Deren Kreativität und Aktivitäten sind ein zentraler Motor für demokratische Veränderungen. Das haben die Proteste nach den Präsidentschaftswahlen im März 2006 gezeigt. Demokratieförderung aus dem Westen darf nicht nur auf die Oppositionsparteien blicken. Es gilt, diese neue informelle Opposition stärker zu berücksichtigen und ihr ein Forum in Europa zu bieten. In diesem Milieu entsteht eine junge Gegenelite, die das Belarus von morgen formen wird.


Thomas Urban
Es hitlert sehr
Das Deutschlandbild der polnischen Medien

Führende polnische Zeitungen und Zeitschriften sprechen von einer Wiederkehr deutschen Großmachtstrebens. Hitler feiert ein Comeback als Interpretationshilfe für aktuelle Ereignisse in Deutschland. Besonders stark sind Verzerrung, Verfälschung und Auslassung in der Berichterstattung über das Projekt eines Zentrums zur Dokumentation von Vertreibungen in Berlin. Hier treffen zwei Phänomene zusammen. Zum einen erlaubt ein liberales Presserecht Journalisten, aus Hintergrund- oder Telefongesprächen Interviews zu konstruieren. Die Hürden für die Publikation von Gegendarstellungen sind hoch, Zivilprozesse schleppen sich oft jahrelang hin. Zum anderen sind die deutsch-polnischen Vergangenheitsdebatten in verschiedenen Stadien. In Polen geht es darum, das Bild von Polen als Opfer der Deutschen an die junge Generation weiterzugeben. In der Bundesrepublik werden Debatten über die angemessene Art des Gedenkens an den Nationalsozialismus geführt.


Pavel Pečínka
Emanzipation oder Folklore?
Die europäischen Romaorganisationen

Seit einigen Jahrzehnten versuchen Roma aus verschiedenen europäischen Ländern, europäische Roma-Organisationen aufzubauen. Die wichtigsten sind die International Roma Union (IRU) und der Roma National Congress (RNC). Neuen Schwung hat diese Idee bekommen, seit der Europarat im Jahr 2004 mit dem European Roma and Traveller Forum (ERTF) eine Dachorganisation etabliert hat. Alle international operierenden Roma-Organisation kämpfen allerdings mit dem Problem innerer Spaltung, sowie mit dem nur teilweise berechtigten Vorwurf, sie seien den Menschen, die sie vertreten sollen, entfremdet.


Per Brodersen
Gebrochene Identitäten
Das Gebiet Kaliningrad in den Nachkriegsdekaden

Nach der Eroberung Ostpreußens fiel der nördliche Teil der östlichsten deutschen Provinz an die Sowjetunion und erhielt 1946 den Namen Kaliningradskaja oblast’. Doch die Geschichte des Gebiets brach nicht einfach ab. Nicht nur physische Reste Königsbergs existierten fort. Auch im Alltag war das Alte im Neuen präsent. Der Bevölkerungsaustausch, die räumliche Lage und die Probleme des Alltags erschwerten es dem Sowjetregime in Moskau und vor Ort, unter den Bewohnern des Gebiets neue Identitäten zu stiften. Sowohl die Kaliningrader als auch die sowjetische blieb gebrochen.


Diana Zitzmann
Die russische Banja im Kommunismus
Aleksandr Nikol’skijs Leningrader Bäder

Zwischen 1927 und 1930 baute der konstruktivistische Architekt Aleksandr Nikol’skij in Leningrad zwei Badeanstalten. Obwohl die Bol’ševiki mit der vorrevolutionären Lebensweise brechen wollten, entschied sich das Kommunalwirtschaftsamt, den urrussischen Typ der Banja zu errichten. Doch die Neubauten weisen in Funktion und Gestaltung deutliche Unterschiede zu ihren Vorgängern auf. In minimalistischem Raumprogramm und nüchterner Atmosphäre kommen die sowjetischen Kulturideale zum Ausdruck. Die Banjas stellen so eine Absage an die traditionelle Freizeitkultur und Banjamystik dar.


Karlheinz Kasper
Rußlands „neue Realisten“
Sergej Šargunov, Roman Senčin und Genossen

Die Literaturszene in Rußland nahm die Milleniumsgrenze zum Anlaß, eine Bilanz der Entwicklung der postsowjetischen Literatur zu ziehen und nach Anzeichen für einen Paradigmenwechsel zu suchen. Die bereits vorher erwachte Kritik am Postmodernismus, der nach dem Zusammenbruch des Kommunismus die literarische Landschaft dominiert hatte, hat sich seither verstärkt. Eine wichtige Rolle im anti-postmodernistischen, teilweise nationalistisch gefärbten Diskurs spielen die „neuen Realisten“, unter denen die Literaten und Publizisten Sergej Šargunov und Roman Senčin eine besondere Stellung einnehmen.


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