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Europa bilden
Politische Bildung zwischen Ost und West
Europa denken, Europa bilden, Europa bauen
Fuldaer Agenda zur politischen Bildung | 6
Archipel Europa
Ziele
Die erweiterte Denkungsart
Voraussetzungen für eine mündige Bürgerschaft in Europa
Demokratiepflege
Die raison d’être der politischen Bildung
Europa bilden
Politische Bildung in und für (Ost-)Europa
Differenzierung tut not
Politische Bildung und die Neugliederung Osteuropas
Die neue Unübersichtlichkeit
Osteuropa in der politischen Bildung
Demokratie-Bildung
Die Förderung der Zivilgesellschaft in Ostmitteleuropa
Der Schlüssel zum Europäischen Haus
Interkulturelle Kompetenz im neuen Europa
Erfahrungen
Civil Diplomacy
Politische Stiftungen in Osteuropa
Wissen geben, Wissen nehmen
Deutsche parteinahe Stiftungen in Polen
Brücken zum Nachbarn
Grenzüberschreitende politisch-historische Bildung zwischen Sachsen und Nordböhmen
Frieden durch Versöhnung
Aktion Sühnezeichen im Ost-West-Dialog
Lebens-Bildung
Mit Aktion Sühnezeichen in Petersburg
Dem Frieden dienen
Als Freiwillige in Petersburg und Minsk
Die Zivilgesellschaft stärken
Der Deutsch-Russische Austausch
Wege
Horizonterweiterung
„Osteuropa“ in den Curricula Brandenburgs
Anpassungsdruck
Geschichtsschulbuch, quo vadis?
East European Studies Online
Ein Angebot auf neuen Bildungsmärkten
Demokratie leben lernen
Der Volkshochschul-Verband in Rußland
Eigenverantwortung und Selbstbestimmung
Erwachsenenbildung in Südosteuropa
Anette Uphoff | 237
Osteuropa in der politischen Bildung
Unterrichtsmaterialien, Quellen, Texte
Abstracts | 250
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- Manfred Sapper, Volker Weichsel, Agathe Gebert, Achim Güssgen (Hg.)
- Europa bilden. Politische Bildung zwischen Ost und West.
- 256 Seiten, 10 Abbildungen, 20 Karten
- Berlin (BWV) 2005
[= Osteuropa 8/2005]
- Preis: 15,00 Euro
- ISBN: 3-8305-1042-X
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Editorial
Europa denken, Europa bilden, Europa bauen
Das alte Europa ist Geschichte. Die vermeintlich ewigen, klaren Unterscheidungen des Ost-West-Konflikts sind längst dahin. Doch noch immer lösen sich Gewißheiten und Zugehörigkeiten auf, Verbindungen und Grenzen werden neu gezogen. „Der Zerfall ist die Stunde der Desillusionierung, also der Aufklärung“, schreibt Karl Schlögel in diesem Heft. Und wenn das Scheitern der Referenden über den Verfassungsvertrag der Europäischen Union in Frankreich und in den Niederlanden einen Sinn hat, dann den einen: innezuhalten, nachzudenken und sich selbst Aufklärung darüber zu verschaffen, wohin die Reise in und mit Europa gehen soll.
Wo steht Europa heute? Ein Blick in einen Rahmenlehrplan zur politischen Bildung könnte Auskunft geben. Das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg hat 2002 einen solchen für die Sekundarstufe I vorgelegt. Die Schüler sollen „Funktion und Aufgabe der Organe der Europäischen Union“ kennen: „Europarat, Europäisches Parlament, Europäischer Gerichtshof“. Europarat? Das ist weit in die Zukunft gedacht. Vielleicht werden sich wirklich alle Mitgliedstaaten des Europarats einst unter dem Dach der EU zusammenfinden und die Präsidenten Armeniens oder Azerbajdžans an den Gipfeltreffen des Europäischen Rats teilnehmen. Europarat hin, Europäischer Rat her – guter Rat ist teuer, und Hochmut ist der schlechteste Ratgeber.
Der Lapsus auf höchstem bildungspolitischen Parkett zeigt vielmehr eines: Europa ist kompliziert geworden. Das Tempo des Umbaus, Anbaus oder Neubaus des europäischen Hauses ist so hoch, der Wandel Europas mit den Vertiefungen, Erweiterungen, Neuordnungen und institutionellen Überlappungen vollzieht sich so schnell, daß sich selbst Profis permanent neu orientieren müssen und nur allzu häufig in die Spezialisierung flüchten. Wie mag es Schülerinnen und Schülern, Studierenden oder Menschen in der Erwachsenenbildung gehen? Als Lernenden wird ihnen der Blick fürs Ganze abverlangt, und als Bürger müssen sie die Zusammenhänge kennen, sich „an die Stelle jedes anderen versetzen“ (Kant), um politische Urteilskraft zu erlangen.
So sind die Neuordnung des alten Ostens und des ehemaligen Westens zwei Seiten der einen europäischen Medaille. Wer Europa bilden will, kommt nicht umhin, sie gleichzeitig zu betrachten und die Herausforderungen zusammenzudenken. Das gilt insbesondere für die politische Bildung. Diese sieht sich mit einer paradoxen Situation konfrontiert. Ihre Aufgaben sind angesichts der neuen Unübersichtlichkeit, die Verunsicherung hervorruft, enorm gewachsen. Eine demokratische Kultur, zu deren Entstehung und Bewahrung die politische Bildung beiträgt, ist nie gefestigt. Sie bedarf der ständigen Pflege, gerade in Zeiten eines europäischen und globalen Umbruchs. Doch scheint die politische Einsicht in die Notwendigkeit der politischen Bildung – auch und gerade über den Osten Europas – zu schwinden.
Wie geht die politische Bildung damit um, welche Wege hat sie im bewegten vergangenen Jahrzehnt beschritten, welche Erfahrungen gesammelt, welche Ziele setzt sie sich heute? Diese Fragen stellen sich im vorliegenden Heft Analytiker und Praktiker, Theoretiker und Menschen, die ihr Wirken nie als Beitrag zur politischen Bildung begriffen hätten. Das Heft ist ein Ort theoretischer Reflexion und praktischer Orientierung. Es ist das Ergebnis einer Kooperation zwischen der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung und Osteuropa.
Manfred Sapper, Volker Weichsel, Agathe Gebert, Achim Güssgen


Karl Schlögel
Archipel Europa
Das Europa des Kalten Krieges hat sich aufgelöst. Anstelle eines einst homogenen Raums – „der Osten“, „der Westen“ – finden sich jetzt Fragmente, Enklaven, Inseln. Für manchen ist das nur Stückwerk, aber in Wahrheit sind es die Teile, aus denen das neue Europa sich zusammenfügt. Der Zerfall ist die Form der Erneuerung, für einen Augenblick wenigstens. Es bringt mehr, sich an die Fragmente zu halten – sie sind reell – als an das Ganze, das vorerst doch nur ein Versprechen ist. Die offizielle Rhetorik hat dem nachgegeben, wenn sie die Fragmentierung, den Zerfall als Pluralisierung, als „Vielfalt in Einheit“ feiert. Der Zerfall ist die Stunde der Desillusionierung, also der Aufklärung. Es zeigen sich dann auch die Kräfte, die ins Spiel kommen müssen, wenn etwas Neues entstehen soll. 

Ingo Juchler
Die erweiterte Denkungsart
Voraussetzungen für eine mündige Bürgerschaft in Europa
Die sich derzeit entwickelnde europäische Öffentlichkeit ist auf die mündige politische Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger Europas angewiesen. Für diese Partizipation bedürfen die Bürgerinnen und Bürger der politischen Urteilskraft. Die Fähigkeit zur politischen Urteilsbildung für die Teilhabe an der politischen Öffentlichkeit in Europa weist sich insbesondere durch die erweiterte Denkungsart aus, die ein verständigungsorientiertes politisches Handeln im erweiterten Europa erst ermöglicht. Die Grundlage für ein solches erweitertes Denken zu schaffen, ist die Aufgabe der politischen Bildung. 

Siegfried Schiele
Demokratiepflege
Die raison d’être der politischen Bildung
Die politische Bildung in Deutschland, die nach dem Zweiten Weltkrieg auf breiter Basis aufgebaut wurde, gerät zunehmend in Schwierigkeiten. Die Schließung der Niedersächsischen Landeszentrale für politische Bildung Ende 2004 war für Insider ein beunruhigendes Signal, hat die breitere Öffentlichkeit bislang jedoch nicht beschäftigt. Hat die politische Bildung ausgedient? Die Analyse zeigt, daß sich ihre Aufgaben geändert haben, der Aufgabenbereich in unserer komplexen und komplizierten Gesellschaft und einer globalisierten Welt sogar zugenommen hat. Die politische Bildung braucht umfassendere Ressourcen, muß jedoch auch ein didaktisches und methodisches Instrumentarium entwickeln, um breitere Schichten in der Bevölkerung zu erreichen. 

Eckart D. Stratenschulte, Nadine Piolot
Europa bilden
Politische Bildung in und für (Ost-)Europa
Seit dem Ende des Ost-West-Konflikts ist die politische Bildung mit einer Akzeptanzkrise konfrontiert. Einigen scheint sie gar überflüssig geworden. Doch politische Bildung hat den mündigen Bürger zum Ziel. Sie ist Demokratiepflege, auch in vermeintlich gefestigten Demokratien. Angesichts der europäischen Integration gilt dies über den eigenen Nationalstaat hinaus. Die Osterweiterung der EU hat die Europäisierung von Politik und Wirtschaft beschleunigt. Mit dieser Dynamik hält die politische Bildung bislang nicht Schritt. Auf EU-Ebene fehlt es an Kompetenzen. Deshalb sind die Akteure politischer Bildung gefordert, sich in und für Osteuropa für Mündigkeit, Partizipation und Demokratie zu engagieren – im eigenen Interesse am Funktionieren des Projekts Europa. 

Fritz Erich Anhelm
Differenzierung tut not
Politische Bildung und die Neugliederung Osteuropas
Fünfzehn Jahre nach dem Ost-West-Konflikt fehlen der politischen Bildung Konzepte zum Umgang mit dem ausdifferenzierten Osteuropa. Ein demokratisch konsolidierter Teil gehört zur EU, ein zweiter mit Rußland im Mittelpunkt besteht aus hybriden Systemen, in denen demokratische Elemente mit autoritären Tendenzen koexistieren. Der dritte Teil sind die Diktaturen Mittelasiens. Bezugspunkt jeder politischen Bildung bleibt es, einen Beitrag zur Herausbildung einer demokratischen politischen Kultur zu leisten. Doch in Europa gibt es bislang keinen Konsens, wie das geschehen könnte. Auf EU-Ebene mangelt es an Kompetenzen und politischem Bewußtsein. Die Brüsseler Kampagnenorientierung ist kurzatmig und damit kontraproduktiv. Für die Träger politischer Bildung ist die Kooperation mit Partnern aus der Zivilgesellschaft und der Wirtschaft erforderlich. Deren Expertise eröffnet ein großes Potential für eine Didaktik jenseits der Bipolarität. 

Dieter Segert
Die neue Unübersichtlichkeit
Osteuropa in der politischen Bildung
Einen Gründungsimpuls bezog die politische Bildung aus der Auseinandersetzung mit dem Kommunismus. Mit der Auflösung der sozialistischen Staatenwelt und der Sowjetunion wurde ihre bisherige Legitimationsgrundlage brüchig. Sie hat sich jedoch heute in neuen Aufgaben zu bewähren: Zum einen hat sie Mißverständnisse und Vorurteile über die Gesellschaften Osteuropas zu bekämpfen. Zum anderen wird politische Bildung über Osteuropa in der Zukunft zu einem wichtigen Bestandteil der europapolitischen Bildung. Schließlich muß sie die Entstehung einer europäischen Öffentlichkeit fördern und helfen, Netzwerke zwischen den an Europa interessierten Bürgern zu knüpfen. 

Matthias Freise
Demokratie-Bildung
Die Förderung der Zivilgesellschaft in Ostmitteleuropa
Die wichtigste Aufgabe externer Demokratieförderung in Ostmitteleuropa ist die Unterstützung der Zivilgesellschaft. Die deutschen Parteistiftungen und vergleichbare kontinentaleuropäische Organisationen kooperieren bei ihrer politischen Bildungsarbeit mit festen einheimischen Partnerorganisationen. Die mit erheblichen Geldmitteln ausgestatteten angloamerikanischen Förderstiftungen setzen hingegen eher auf Schulungszentren und zivilgesellschaftliche Dachorganisationen. Die deutschen Stiftungen zielen auf eine enge Kooperation zwischen Gesellschaft und Staat. Die amerikanischen Stiftungen hingegen wollen die Zivilgesellschaft als eine unabhängige Instanz aufbauen, die den Staat kontrolliert. Externe Demokratieförderung sollte in Zukunft stärker koordiniert werden, ohne daß dabei die unterschiedlichen Ansätze aufgegeben werden. 

Eva Feldmann-Wojtachnia
Der Schlüssel zum Europäischen Haus
Interkulturelle Kompetenz im neuen Europa
Die wachsende Europäisierung des persönlichen Alltags in Gesellschaft und Politik macht „interkulturelle Kompetenz“ zu einem Schlüsselfaktor für das gemeinsame Leben im erweiterten Europa. Damit steht die politische Bildung vor neuen Herausforderungen. Bislang ist ihr Blickwinkel vielfach zu eng, zu westeuropazentriert. Erforderlich ist eine multilaterale, erweiterte Perspektive von Europa. Angesichts der aktuellen Krise, in welche die Europäische Union geraten ist, kann nicht darauf vertraut werden, daß das entsprechende europäische Bewußtsein bei den Bürgerinnen und Bürgern von selbst entsteht. Eine gezielte Bildungsstrategie ist nötig. 

Winfried Schneider-Deters
Civil Diplomacy
Politische Stiftungen in Ost- und Ostmitteleuropa
Die politischen Stiftungen spielen eine wichtige Rolle in der civil diplomacy, den informellen auswärtigen Beziehungen der Bundesrepublik. Ihre Aufgabe sehen sie darin, den politischen Dialog zwischen den parlamentarischen, gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Eliten aus Ost- und Ostmitteleuropa, aus Deutschland und anderen EU-Staaten zu organisieren. Auf diese Weise sollen europäische Denk- und Sichtweisen nachhaltigen Eingang in die politische Kultur der postkommunistischen Länder finden. Der Erfolg der Demokratieförderung ist abhängig von den Entwicklungen in den postsowjetischen Staaten und von dem heimischen politischen Interesse an der Auslandsarbeit der Stiftungen. 

Dorota Dakowska
Wissen geben, Wissen nehmen
Deutsche parteinahe Stiftungen in Polen
Die deutschen politischen Stiftungen sind sowohl atypische als auch traditionelle Träger der politischen Bildung. Sie beteiligen sich seit den 1960er Jahren an der deutschen Außen- und Entwicklungspolitik. Erst nach 1989 konnten sie ihre Tätigkeit in Polen frei entfalten. Sie boten eine pluralistische politische Bildung und knüpften zahlreiche Kontakte mit Parteien, Jugendorganisationen, Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften. Eines ihrer wichtigsten Ziele war dabei die Unterstützung Polens auf dem Weg in die Europäische Union. 

Daniel Kraft
Brücken zum Nachbarn
Grenzüberschreitende politisch-historische Bildung zwischen Sachsen und Nordböhmen
Politische Bildung in Grenzgebieten muß grenzüberschreitend sein und sich heiklen Themen der Vergangenheit stellen. Nur dann kann sie einen wichtigen Beitrag zum Abbau von Vorurteilen sowie zur europäischen Integration leisten und trägt zugleich zur Steigerung der Legitimität der Demokratie in der Transformation und zum Abbau von Entwicklungsnachteilen einer Grenzregion bei. Damit die zahlreichen im Grenzgebiet aktiven Akteure inhaltlich und finanziell fundiert arbeiten können, sollten sie darin unterstützt werden, ein professionelles Nonprofit-Management aufzubauen. 

Barbara Kettnaker
Frieden durch Versöhnung
Aktion Sühnezeichen im Ost-West-Dialog
Seit 1958 entsendet die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste junge Menschen in Staaten, die unter nationalsozialistischer Herrschaft zu leiden hatten. Damit zogen die Gründer die Konsequenz aus einem Schuldbekenntnis der Deutschen. Als Ausdruck der Sühne leisten die Freiwilligen Hilfe bei gemeinnützigen Arbeiten. Die Erinnerung an Krieg und Besatzung ist in den Kontakten mit den Gastgebern noch präsent. Zu den wichtigsten Erfahrungen der Freiwilligen gehört es, einen Dialog über Grenzen zu führen und die eigenen Sichtweisen zu hinterfragen. 

Jan Plamper
Lebens-Bildung
Mit Aktion Sühnezeichen in St. Petersburg
Politische Bildung soll Vorurteile überwinden und den Menschen dazu befähigen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Kein noch so gut aufbereitetes didaktisches Material kann die Erfahrung ersetzen, die das Leben bereithält. Was die vier Damen, die der Autor während seines Ersatzdienstes Anfang der 1990er Jahre mit Aktion Sühnezeichen in der offenen Altenarbeit betreute, über den Stalinismus und den Nationalsozialismus zu erzählen hatten, steht ein Jahrzehnt später im Mittelpunkt von geschichtswissenschaftlichen Debatten. 

Christiane Künzel, Melanie Arndt
Dem Frieden dienen
Als Freiwillige in Sankt Petersburg und Minsk
Die Arbeit als Freiwillige in Osteuropa, ganz gleich ob bei der Menschenrechtsorganisation Memorial, in Krankenhäusern, Kinderheimen oder Organisationen für Opfer von Černobyl’, bedeutet konkrete Hilfe vor Ort. Sie garantiert wertvolle Erfahrungen, schafft persönliche Kontakte zwischen Ost und West und erweitert den Horizont aller Beteiligten über die Projektdauer hinaus. Zwei ehemalige Freiwillige der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste ziehen eine persönliche Bilanz. 

Stephan Malerius, Eveline Odermatt
Die Zivilgesellschaft stärken
Der Deutsch-Russische Austausch
Der Deutsch-Russische Austausch vermittelte zunächst Freiwillige aus Deutschland nach Osteuropa. Er hat sieben Beratungszentren für Nichtregierungsorganisationen in Rußland und der Ukraine aufgebaut, Programme für 1250 NGOs und über 10 000 Journalisten, Jugendarbeiter oder Juristen durchgeführt. Einem breiten Selbstverständnis von politischer Bildung verpflichtet, verfolgt der Deutsch-Russische Austausch das Ziel, Toleranz und Kritikfähigkeit zu vermitteln sowie demokratische Spielregeln zu stärken. Ausdruck davon ist das Austauschprogramm für Freiwillige aus Osteuropa, das junge Menschen unterstützt, die an der politischen und sozialen Entwicklung ihres Heimatlandes interessiert sind. Sie leisten wesentliche Beiträge zum Zusammenwachsen Europas. 

Viola Tomaszek
Horizonterweiterung
„Osteuropa“ in Curricula Brandenburgs
Bereits die ersten brandenburgischen Rahmenpläne seit der Wiedergründung der Bundesländer im Ostteil der neuen Bundesrepublik Deutschland spiegelten das Bemühen wider, in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern das Bundesland und die Bundesrepublik als Teil eines europäischen Ganzen zu betrachten. Die curricularen Vorgaben der zweiten Rahmenlehrplangeneration ab 2002 widmen der Europäischen Union und der EU-Osterweiterung noch mehr Aufmerksamkeit und machen sie zu verpflichtenden Lehrinhalten .

Klaus Segbers, Sabine Pag
East European Studies Online
Ein Angebot auf neuen Bildungsmärkten
Die Freie Universität Berlin bietet den weltweit ersten auf Osteuropa fokussierten Onlinestudiengang an. Der Masterstudiengang vermittelt spezifische Kenntnisse zu einer Region, deren politische und wirtschaftliche Bedeutung im Zuge der europäischen Integration stark zugenommen hat. Gleichzeitig befähigt er dank seiner interdisziplinären Anlage die Studenten zum Denken in Zusammenhängen und fördert berufspraktische Kompetenzen. 

Björn Opfer
Anpassungsdruck
Geschichtsschulbuch, quo vadis?
Das Schulbuch als traditioneller Träger von Wissen ist unter Anpassungsdruck geraten. Die Schulen leiden unter Geldmangel und zögern die Bestellung neuer Schulbuchgenerationen heraus. Da zudem die Schülerzahlen sinken, sehen sich die Schulbuchverlage zu Einsparungen bei den Personalkosten gezwungen. Schließlich sind die Produktionszyklen so lang, daß das Schulbuch mit der raschen Veränderung der Lebenswelten kaum mehr mithalten kann. Auch auf die Didaktikkritik nach der PISA-Studie können Schulbücher nicht rasch reagieren. Das Schulbuch wird zwar vorerst seine grundlegende Bedeutung nicht verlieren, jedoch immer stärker durch multimediale Lern- und Arbeitsmittel ergänzt werden. 

Sebastian Welter
Demokratie leben lernen
Der Deutsche Volkshochschul-Verband in Rußland
Das Institut für Internationale Zusammenarbeit des Deutschen Volkshochschul-Verbandes ist seit 1993 in Rußland tätig. Vorrangiges Ziel der Arbeit ist nicht, Wissen über Demokratie zu verbreiten. Die Erfahrung hat gezeigt, daß demokratische Einstellungen nicht allein in politischen Bildungsseminaren vermittelt werden können. Vielmehr muß die Zivilgesellschaft gestärkt und das Selbstbewußtsein gerade benachteiligter Bevölkerungsschichten gefördert werden. Die Erwachsenenbildung muß hierbei auch berufsorientiertes Wissen vermitteln und soziale Probleme in den Fokus nehmen. Nur so kann verhindert werden, daß Demokratieförderung als utopisches Projekt oder gar als westliche Bevormundung wahrgenommen wird, sondern im Alltag erfahren werden kann. 

Bettina Strewe
Eigenverantwortung und Selbstbestimmung
Erwachsenenbildung in Südosteuropa
Mit dem Zusammenbruch Jugoslawiens stand auch die Erwachsenenbildung in den Nachfolgestaaten vor einer Neuorientierung. Anstelle der zentral gesteuerten, hierarchisch strukturierten und frontalen Bildungsstruktur finden sich nun interaktive und selbstgesteuerte Ansätze. Das bringt Veränderungen für Lernende und Lehrende. Auch die Inhalte und Methoden sind andere geworden. Ansätze zu eigenständigem und unabhängigem Mitdenken und Mitwirken schaffen die Grundlagen für ein selbstbestimmtes Leben und für das Mitgestalten eines demokratischen Gemeinwesens. 

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